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Visualisierung: Effizientes Dashboard-Design – Part II

In meinem letzten Beitrag kündigte ich an, das “wahrscheinlich schlechteste Diagramm der Welt” genauer zu analysieren. Hier also der Entstehungs-Prozess von einer visuellen Nullnummer zu einer aussagekräftigen Visualisierung … English version below!

Ich denke, ich konnte im ersten Teil meiner Reihe zu effizientem Dashboard-Design zeigen, dass die grafische Abbildung von Informationen der tabellarischen vorzuziehen ist. Wenn es darum geht, Muster, Trends oder Ausreißer zu erkennen, sind Diagramme ungeschlagen. Nichtsdestotrotz haben natürlich auch Tabellen Ihren Platz im Berichtswesen – mehr dazu in einem späteren Post.

Nun soll es darum gehen zu zeigen, dass es für ein effizientes Dashboards-Design nicht genügt, wahllos einige Kuchen-, Säulendiagramme oder Tachometer auf eine Bildschirmseite zu positionieren. Hier eine Auswahl, wie man es nicht machen sollte.

Die Auswahl des richtigen Diagrammtyps und die Gestaltung des Diagramms sind sehr wichtig für die Aussagekraft eines Dashboards. Dies möchte ich an einem Beispieldiagramm Schritt-für-Schritt zeigen.

Zunächst muss ich gestehen, dass ich das Diagramm schon vor zwei Jahren in einem Blogbeitrag von Stephen Few gefunden habe – Titel: „Oracle – Have you no shame?“

Abb. 1: ORACLE Originaldiagramm

Meines Erachtens ist es aber immer noch “das wahrscheinlich schlechteste Diagramm der Welt”!
Man will es nicht glauben, aber dieses Diagramm war – ist? – Anschauungs­beispiel für den online learning course: “Oracle BI Enterprise Edition – Build Good Dashboards”!
Vielleicht ein bisschen überspitzt, aber Stephen Few bringt es auf den Punkt:

“Based on this graph, I’m guessing that Oracle now outsources the development of its courses to the primate house of the local zoo.”

Warum? Schöne 3D-Zylinder und -Linien, die die Interpretation der ihnen zugrundeliegenden Daten nahezu unmöglich machen. Diese Effekthascherei nebst unnötigen Rahmen nehmen wir als erstes raus. Hier nachgebaut mit SAP BO Dashboards (Xcelsius) Standardkomponenten.
Ich musste etliche Tricks anwenden, um das Diagramm wie in Abb. 2 überhaupt in Xcelsius bauen zu können:

Abb. 2: Step 1

Ohne 3D-Effekte und mit auf gleicher Ebene bei „0“ beginnender Werteachsen schaffen wir die erste Voraussetzung für eine sinnvolle Interpretation dieses Diagramms.
Bei genauerer Betrachtung fällt auf, dass die „Forecasted Dollars“ nicht wie die beiden anderen Wertgrößen auf der linken Werteachse, sondern mit den „Forecasted Units“ auf der rechten Werteachse abgebildet werden. Das geht gar nicht!
Alle Wertegrößen („Dollars) werden mit identischen Elementen – Säulen – und auf einer Achse dargestellt:

Abb. 3: Step 2

Bis hier bin ich nachsichtig, diese Fehler sind noch BI-Standard. Nun aber der Klopper: Welcher Vollpfosten stapelt drei Jahreswerte über einander, um diese visuell vergleichbar zu machen?! Wenn ich aktuelle Umsatzdaten mit denen vom Vorjahr und der Prognose („Forecast“) vergleichen will, zeige ich diese gruppiert nebeneinander:

Abb. 4: Step 3

Zudem kann ich die “Forecasted Units” auch ohne Probleme auf einer einheitlichen Skala mit den Dollarwerten abbilden. Auf Hilfslinien verzichte ich gerne. Noch besser finde ich Datenbeschriftungen direkt an den Elementen.
Daneben habe ich mir eine Regel zu Eigen gemacht: Zeitliche Entwicklungen stelle ich mit einer horizontalen Achse von links nach rechts dar, strukturelle Zusammenhänge über eine vertikale Achse.
Für den Vergleich von regionalen Strukturen bevorzuge ich daher ein gruppiertes Balken- statt eines Säulendiagramms:

Abb. 5: Step 4

Immer noch recht bunt. Eine sinnfreie Farbwahl und -effekte lenken ab. Die Visualisierungsgurus nennen dies „noise“ oder „Rauschen“. Ich empfehle Farben nur zu verwenden, wenn sie Sinn machen: für Hervorhebungen, als Warnsignal oder wenn über die Farbe Informationen verschlüsselt werden. Ich kenne Unternehmen, die jedem Geschäftsbereich eine bestimmte Farbe zuordnen! Rot und grün sind jedoch für “gut“ und „schlecht“ reserviert. Zudem lassen sich Diagramme in Grautönen besser ausdrucken. Auch die sechsstelligen Diagrammbeschriftungen sind unnötig und damit „noise“. Ich arbeite mit höchstens drei Ziffern und skaliere entsprechend:

Abb. 6: Step 5

Regelmäßige Leser meiner Zeilen wissen: Ich bin ein Fan des SUCCESS-Regelwerks von Rolf Hichert. Wir haben es mit unserem graphomate Addon für SAP BO Dashboards (Xcelsius) vollständig umgesetzt.
Nachdem ich zunächst die CHECK- und SIMPLIFY-Regeln zur Skalierung und Diagrammgestaltung umgesetzt habe, geht es im nächsten Schritt um die CONDENSE-Regelgruppe. Ziel ist hier eine hohe Informationsdichte zu ermöglichen, um komplexe Sachverhalte auf einen Blick darzustellen. Das „Blättern“ durch (Bildschirm-)Seiten erschwert das Verständnis. Spätestens auf der dritten Seite haben wir vergessen, was auf den ersten Seiten abgebildet war.
Also: Diagramm verkleinern und die „Forecasted Units“ wieder rein. Als Nadeldiagramm, um es von den Wertgrößen („Dollars“) abzuheben.

Abb. 7: Step 6

Zu guter Letzt: Was ist ein Bericht ohne Botschaft? Der Titel des Ursprungsdiagramm „Regional Revenue: Current Versus Prior Period“ ist falsch und nichtssagend: Dass es sich um eine Gegenüberstellung des Umsatzes handelt, sehe ich! Wenn auch erst auf den zweiten Blick, da ja auch Prognosewerte und -mengen gezeigt werden.

Jeder Bericht sollte eine Botschaft haben, die noch einmal im Diagramm hervorgehoben wird:

Abb. 8: Step 7

Ich gebe aber zu, dass diese Regelgruppe des SUCCESS-Konzepts – SAY – für Dashboards schwer umsetzbar ist.

Zusammenfassend noch einmal die einzelnen Schritte als „Slideshow“ – erstellt mit SAP BO Dashboards (Xcelsius) und unserem graphomate Addon:

This movie requires Flash Player 9

Das zugehörige xlf-File für SAP BO Dashboards (Xcelsius) kann hier heruntergeladen werden. Die Datei enthält alle Visualisierungen der graphomate Komponenten als Bilder, so dass sie auch ohne graphomate Addon verwendet werden kann.
Unsere kostenlose – auf das Säulendiagramm beschränkte – Free-Version des graphomate Addons für SAP BO Dashboards (Xcelsius) finden Sie hier zum Download.

Stephen Few schreibt zu Recht:

“It is as if the person who created this “Good Dashboards” example of a graph did everything possible to make it as ineffective as possible.”

Schlimm, schlimm, wenn so was auch noch als “best-practice” eines BI Herstellers verkauft wird!

In Part III meiner Reihe zu effizientem Dashboard Design werde ich mich zu den verbleibenden Regelgruppen des SUCCESS-Konzepts äußern. Insbesondere UNIFY – die Idee einer unternehmensweit einheitlichen Berichts-Notation – wird Thema sein.

Ich gehe jetzt ein paar Duplos essen …

Schöne Ferien, Lars

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English Version: Visualization: Efficient Dashboard Design – Part II

In my last post I announced that I would analyze the – how shall I call it – maybe “the worst chart in the world”. Here it is: the origination process from a visual loser to a meaningful visualization.

I think in the first part of my series about efficient Dasboard Design, I was able to demonstrate that the graphical presentation of information is preferable to the tabular presentation.
When it comes to recognizing patterns, trends or outliers charts remain unbeaten. Although tables have their place in reporting – more on this in another post!

Now the point is to show that is not sufficient for efficient Dashboard-Design to position some pie-, column charts or speedometers/gauges haphazardly on a screen page.
A selection of how one should not do it can be found here.

The selection of the right chart type and the design of the chart are decisive for the expressiveness of a dashboard. I want to show this by means of an example chart in a step-by-step evaluation.

But first of all I need to confess that I found the chart two years ago in a blog entry by Stephen Few with the title: „Oracle – Have you no shame?“

Image 1: Oracle original diagram

In my opinion it is still probably the worst chart in the world! It seems unbelievable but this chart was – is? – the demonstrative example for the online learning course: “Oracle BI Enterprise Edition – Build Good Dashboards”! Putting it a bit bluntly, Stephen Few sums it up:

“Based on this graph, I’m guessing that Oracle now outsources the development of its courses to the primate house of the local zoo.”

Why? Beautiful 3D- cylinder charts and -lines, which make an interpretation of the underlying data nearly impossible. First of all we will delete this straining after effect along with superfluous frames. You can see the result here, built with standard components of SAP BO Dashboards
(Xcelsius). I needed to perform some sleights of hand to succeed in building the chart of image 2 with Xcelsius:

Image 2: Step 1

Without the 3D-effects and value axis starting on the same level with “0″, the basic prerequisites for a sensible interpretation of this chart are given. On closer inspection it is obvious that the “Forecasted Dollars” are not shown on the left value axes, together with the other two given values, but on the right value axis, together with the “Forecasted Units”. They can not be serious! All values („Dollars”) are depicted with identical elements – columns – and on the same axes:

Image 3: Step 2

Up to this point I am tolerant as these mistakes are BI-standard. But it gets a lot worse: Who is the donkey responsible for stacking three annual values in order to make them visually comparable?! If I want to compare actual turnover data with data from the last year or with the forecast, I show
them grouped side-by-side:

Image 4: Step 3

Furthermore, I am able to depict the “Forecasted Units” on a uniform scale with the Dollar-values. I can do without auxiliary lines. I rather prefer the data labels on the elements. I also adopted a rule: I always show development over time on a horizontal axis from left to right,
structural development on a vertical axis. For the comparison of regional structures I therefore prefer a grouped bar- instead of a column chart.

Image 5: Step 4

Still rather colorful. The choice of color and color-effects are deviating. Visualization gurus call this “Noise”. My advice is to use colors only if they make sense: to emphasize, as a warning signal or if the color is used to encode information. I know companies which assign certain colors to each
business segment! Red and Green are reserved for “good” and “bad”. Furthermore, charts in shades of gray are easier to print. Another form of “noise” are the 6-digits chart labels: I use three digits as a maximum and scale the chart accordingly:

Image 6: Step 5

Regular readers of my lines know: I am a fan of the regulatory framework SUCCESS by Rolf Hichert. We have these rules fully implemented in our graphomate Addon for SAP BO Dashboards (Xselsius). After applying the CHECK and SIMPLIFY rules for the scaling and design of the chart, the next step is to apply the CONDENSE rules: The goal is to reach a high density of information in order to depict complex data at a glance. The need to browse through (web) pages hinders the comprehension. On the third page, at the latest, we have forgotten what was shown on the first pages. So: minimize the chart size and put the “Forecasted Units” again in the chart. Shown in a needle chart as to set them apart from the values (“Dollars”).

Image 7: Step 6

And finally: What is a report without a message? The name of the original chart “Regional Revenue: Current Versus Prior Period” is wrong and meaningless: I can see that it is a comparison of the turnover! Even if I do so at a second glance, as I can also see forecasted units and values.
Each report should have a message, which should be emphasized in the chart:

Image 8: Step 7

I am aware that realizing these rules of the SUCCESS-concept – SAY – is rather difficult.

To sum things up, each step of the process shown as a “slideshow” – realized with SAP BO Dashboards (Xcelsius):

This movie requires Flash Player 9

The corresponding xlf-File for SAP BO Dashboards (Xselsius) can be downloaded here: The file contains the graphomate visualizations as images, so you don’t need our graphomate Addon. You may download a functional restricted Free-Version of our Addon for SAP BO Dashboards (Xcelsius) here.

Stephen Few rightly remarks, that:

“It is as if the person who created this “Good Dashboard” example of a graph did everything possible to make it as ineffective as possible.”

Terrible, really terrible, if this is sold as the “best practice” of a BI vendor!
In Part III of my series on efficient Dashboard Design I will talk about the remaining regulatory groups of the SUCCESS concept. Especially UNIFY – the idea of a standardized company-wide notation for business reports – will be a topic.

But for now I am going to eat some watchamacallits …

Pleasant holidays, Lars

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